

“Das erste wirklich Rockkonzert mit Jimi Hendrix - das war ein unglaubliches Ereignis. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie fertig die Zuhörer eigentlich waren. Die Leute waren wie erschlagen nach dem Konzert, aber es war ein unglaublicher Abend und auch für mich musikalisch schon ergreifend. Das erste Konzert war ganz normal auf 20 Uhr angesetzt. Das war aber innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Also für uns auch ein Phänomen. Das kannte wir bisher nur von der Klassik, von den Berliner Philharmonikern mit Karajan, oder einem Menuhin oder einem Oistrach. Aber im Unterhaltungsbereich war das ein vollkommen neues Phänomen. Und da hat man gesagt - was die Amerikaner ja gewohnt sind, zwei Konzerte am Abend zu geben -, dann haben wir gesagt: ‘Gut, da es ein Sonntag ist, machen wir noch um 17 Uhr ein Konzert.’ Das war überhaupt kein Problem. Da sieht man aber auch mal die Einstellung dieses Musikers. Der hat ja wirklich körperlich auch gearbeitet auf der Bühne. Das war schon eine Höchstleistung. Bühnenanweisung war ein Fremdwort. Es gab kein Catering, sondern er kam mit seiner kleinen Band und seiner Gitarre. Die Tonanalge musste wir damals stellen. Das Licht hat man genommen, was in der Liederhalle eben vorhanden war, und insofern war das ein absolut ruhiges Konzert. Der hat mir ‘Grüß Gott’ gesagt, wir haben ein bisschen geplaudert und das wars dann. Das war schon ein aussergewöhnlicher Musiker. ich kann mich noch erinnern, wie er dann die Saiten mit der Zunge gespielt hat. Das war schon unglaublich. Er war eine Persönlichkeit.....mir würde vielleicht bei all den Künstlern, die ich kennengelernt habe, etwas fehlen, wenn ich ihn nicht in Stuttgart gehabt hätte."

Andy Goldner war damals auch dabei:
“Es war - sagen wir einmal - das größte Ereignis, das Stuttgart jemals erlebt hat. Selbst Frank Sinatra, der dann Jahrzehnte später kam, konnte das nicht toppen. Also das war für uns Junge damals noch geiler, als wenn die Beatles gespielt hätten, die ja damals schon gar nicht mehr unterwegs waren. Also das war einfach die Nummer 1 für uns alle. Der hat ja gespielt um 17 Uhr und um 20 Uhr. Also zwei Konzerte gegeben, musste man zweimal Eintritt bezahlen. Und ich hab für beide Konzerte mir Karten besorgt. Die Leute, die dort waren, waren auch die Leute, die sonst selber wahrscheinlich kreativ waren, ob Musik oder Kunst oder sonstwas. Also da hat man alle Leute gesehen, die in Stuttgart irgendwie, an was interessiert sind außer Mainstream. Ja, auch was anderes machen wollen. Die hat man da gefunden. Und das war sagenhaft. Also das war rappelvoll und damals war die Army von den Amis noch stärker vertreten in und um Stuttgart herum, es waren auch ganz schön viele GIs da, die man auch gleich identifiziert hat. Die waren natürlich nicht in ihren Camouflage-Anzügen da. Aber man konnte sie dann sofort sehen, als er die Hymne gespielt hat, da sind die nämlich aufgestanden und haben salutiert. Ich weiß nicht, inwieweit die das ernst gemeint haben oder ob’s ne Persiflage war. Ich weiss es nicht - auf jeden Fall konnte man sehen ‘Aha, einige GIs an Bord!’ Es war so laut, es hat so gebounct. Wir waren ja Lautstärke auch damals schon gewöhnt von kleinen Proberäumen und doch auch schon lauten Amps, aber das war das Lauteste, was ich bis dahin überhaupt gehört habe. Das war also schon schmerzhaft, sehr schmerzhaft laut, sodass ich mir gedacht hab nach dem ersten Gig ‘ Mensch, nachher um 8 Uhr nochmals da rein. Das ist aber so laut.’ Natürlich bin ich gern nochmals reingegangen und hab mir das Konzert nochmals angehört, aber die schiere Lautstärke, das hat mich ein bisschen verschreckt. Wenn man das dann gesehen hat, wie die Gitarre um den Typ rumschwirrt die ganze Zeit und was da für Töne rauskommen. Also die PA damals, die war damals noch ziemlich Scheiße. Also das Schlagzeug, Mitch Mitchell, hat man eigentlich nur gehört, wenn der Hendrix einen Break gemacht hat, also, wenn der kurz ausgesetzt hat, hat man’s Schlagzeug gehört, sonst hat man’s Schlagzeug nur gesehen. Du hast eigentlich nur die Gitarre gehört und einen wummrigen Baß und in den Breaks ein Schlagzeug. Da war die Live-Technik einfach noch in den Kinderschuhen. Da die Zeit so war wie sie war, war Hendrix natürlich der Gegenentwurf zu allem straighten normalen Leben - komplett, also vielmehr als die Beatles, als die Stones, als irgend eine andere Combo. Schon allein deshalb war er natürlich attraktiv für viele Leute, die eben was anderes wollten, weil er das auch verkörpert hat, seine Musik, wie auch seine Shows, sein Aussehen, seine Klamotten alles. Das war die andere Welt schlechthin. Unglaublich, das Gefühl im selben Raum zu sein mit so einer Combo und hauptsächlich Jimi halt. Wie das schon optisch aussah, wie er mit der Gitarre umgeht oder die Gitarre mit ihm, wie die ständig um ihn rumgekreist ist oder hinten, vorne, oben, unten. Und nicht was heute so viele machen, die dann halt eben so ne Show machen und die üben dann halt diese Show und dann wird das so abgezogen. Bei ihm war das komplett organisch. Beim Hendrix das war in diesem Sinn gar keine Show. Das war eins, ein Urerlebnis. Das hat einfach gestimmt. Da war nichts aufgesetzt."




Hallo,
AntwortenLöschenfinde den Jimi@de Blog klasse! Auf youtube gibt's ein video mit jimi/stuttgart Bildern
tags: "jimi stuttgart spaced-out"
mach weiter so in 2010!
albert
ich war beim Nürnberg Konzert, meine Bekannte hat ihm beim Besteigen des Autos mit der Zigarette verbrannt und am nächsten Tag war ich im Grand Hotel drin, haben rumgesessen und da hab ich noch ein Autogramm von Ihm erhalten.
AntwortenLöschenAuf der Rückseite hatte ich schon das Autogramm der Begleitband "Eire Apparent"
Wenn jemanden das Autgramm interessiert, schick ich gern ein Foto per E-Mail
charlesbauer@web.de